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DMP: Strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke

Was ein DMP ist

Ein Disease-Management-Programm (DMP), auf Deutsch strukturiertes Behandlungsprogramm, ist ein zwischen Krankenkassen und Ärzteschaft vereinbarter Behandlungsablauf für eine bestimmte chronische Erkrankung. Er legt fest, welche Untersuchungen in welchen Abständen stattfinden, was dokumentiert wird und welche Schulungen angeboten werden.

Der Kern in einem Satz: Ein DMP ändert nicht, welche Medizin Sie bekommen, sondern wie regelmäßig und wie nachvollziehbar sie stattfindet.

Rechtsgrundlage ist § 137f SGB V. Welche Anforderungen ein Programm erfüllen muss, legt der Gemeinsame Bundesausschuss in der DMP-Anforderungen-Richtlinie fest. Darauf aufbauend schließen Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen regionale Verträge – deshalb unterscheiden sich Details von Kasse zu Kasse und von Region zu Region.

Für welche Erkrankungen es DMP gibt

Stand 2026 hat der Gemeinsame Bundesausschuss Anforderungen für elf Indikationen beschlossen. Angeboten wird deshalb noch längst nicht jedes Programm überall: Zwischen dem Beschluss, dem regionalen Vertrag und der tatsächlichen Möglichkeit, sich einzuschreiben, liegen oft Jahre.

Breit verfügbar sind Programme für:

  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Koronare Herzkrankheit, mit einem eigenen Modul für chronische Herzschwäche
  • Asthma bronchiale
  • COPD, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung
  • Brustkrebs

Beschlossen, aber je nach Region und Kasse noch nicht überall einschreibbar:

  • Depression
  • chronischer Rückenschmerz
  • Osteoporose
  • rheumatoide Arthritis
  • Adipositas, also starkes Übergewicht – für Erwachsene und für Kinder und Jugendliche getrennt geregelt

Ob ein bestimmtes Programm für Sie infrage kommt, beantworten zwei Stellen verlässlich: Ihre Hausarztpraxis und Ihre Krankenkasse. Verlassen Sie sich nicht auf Listen im Netz – auch nicht auf diese. Sie veralten.

Wie die Einschreibung abläuft

1. Die Diagnose muss gesichert sein. Jedes Programm hat eigene Einschreibekriterien. Ein Verdacht genügt nicht; in manchen Fällen ist ein bestimmter Befund oder ein bestimmtes Untersuchungsergebnis Voraussetzung.

2. Die Praxis muss teilnehmen. Nicht jede Praxis ist für jedes DMP zugelassen – dafür braucht sie einen eigenen Vertrag und bestimmte Qualifikationen. Fragen Sie direkt danach; Praxen, die teilnehmen, sprechen infrage kommende Patientinnen und Patienten oft von sich aus an.

3. Zwei Unterschriften. Sie unterschreiben die Teilnahmeerklärung und, davon getrennt, die Einwilligung in die Übermittlung Ihrer Behandlungsdaten an eine Datenstelle und an Ihre Krankenkasse. Diese zweite Erklärung ist der eigentlich prüfenswerte Teil. Lassen Sie sich erklären, welche Daten das sind und wie lange sie gespeichert werden.

4. Bestätigung durch die Kasse. Die Einschreibung wird geprüft und schriftlich bestätigt. Erst danach läuft das Programm.

Für Sie ist die Teilnahme kostenfrei, freiwillig und jederzeit widerrufbar. Eine Ablehnung darf sich auf Ihre Behandlung nicht auswirken.

Was in den Programmterminen passiert

Je nach Erkrankung sehen Sie Ihre Praxis in festen Abständen, üblicherweise quartalsweise oder halbjährlich. Was dort geschieht, klingt unspektakulär – und wirkt genau deshalb:

  • Gemessen statt geschätzt. Blutdruck, Gewicht, Laborwerte, Lungenfunktion, Fußstatus, Beweglichkeit – je nachdem, um welches Programm es geht.
  • Verlauf statt Momentaufnahme. Ein einzelner Wert sagt wenig. Erst die Reihe über Quartale zeigt, ob sich etwas verschiebt.
  • Medikamente durchgehen. Was nehmen Sie tatsächlich, was nicht mehr, was ist dazugekommen – auch rezeptfrei? Bei chronischen Erkrankungen ist das die häufigste Fehlerquelle.
  • Ziele vereinbaren und überprüfen. Im DMP werden mit Ihnen individuelle Behandlungsziele festgelegt und beim nächsten Termin nachgehalten. Realistisch vereinbarte Ziele sind hier mehr wert als ehrgeizige.
  • Übergänge regeln. Die Programme enthalten Kriterien, wann fachärztlich mitbehandelt oder eine Klinikeinweisung geprüft werden soll. Das nimmt der Frage „Soll ich damit zum Spezialisten?“ ein Stück Willkür.

Der eigentliche Nutzen liegt im Nicht-Vergessen. Kontrollen, die niemand terminiert, fallen im Alltag aus – nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil zwischen zwei Terminen ein Leben liegt.

Was Sie zum Programmtermin mitbringen

  • Gesundheitskarte und, falls vorhanden, die Bestätigung der Einschreibung
  • den Medikationsplan, ergänzt um alles, was Sie zusätzlich einnehmen – auch rezeptfreie Mittel und Nahrungsergänzung
  • eigene Messwerte, wenn Sie zu Hause messen: Blutdruck, Blutzucker, Gewicht, Peak-Flow. Ein Verlauf über Wochen ist aussagekräftiger als der Wert im Sprechzimmer
  • Befunde aus der Zwischenzeit: Arztbriefe, Laborwerte, Entlassbriefe aus dem Krankenhaus
  • Ihre Fragen, aufgeschrieben. Was im Wartezimmer klar war, ist im Gespräch oft weg

Wenn sich seit dem letzten Termin etwas verändert hat – neue Beschwerden, ein Sturz, eine Klinikbehandlung, eine Umstellung der Medikamente –, sagen Sie es aktiv. Nicht alles davon steht bereits in der Akte.

Die Dokumentation: wozu die Bögen gut sind

Bei jedem Termin wird ein standardisierter Datensatz erhoben und elektronisch übermittelt. Für Sie sieht das nach Bürokratie aus, und ein Teil davon ist es auch. Drei Dinge kommen dabei heraus:

  1. Ihr eigener Verlauf in vergleichbarer Form – über Jahre, unabhängig davon, wer Sie gerade behandelt.
  2. Rückmeldeberichte für die Praxis, in denen die eigenen Ergebnisse mit denen anderer teilnehmender Praxen verglichen werden.
  3. Auswertungen auf Programmebene, mit denen die Anforderungen später angepasst werden.

Datenschutzrechtlich ist der Punkt ernst zu nehmen: Es werden Gesundheitsdaten an Ihre Krankenkasse übermittelt, und das geschieht ausschließlich auf Grundlage Ihrer Einwilligung. Sie können diese Einwilligung widerrufen – dann endet allerdings auch die Teilnahme, weil das Programm ohne Dokumentation nicht funktioniert.

Schulungen

Zu den meisten Programmen gehören strukturierte Schulungen, meist in kleinen Gruppen, oft von medizinischen Fachangestellten mit Zusatzqualifikation geleitet. Inhalt ist das, was im Sprechzimmer regelmäßig zu kurz kommt: die Erkrankung verstehen, Messwerte selbst einordnen, Warnzeichen erkennen, mit Geräten und Medikamenten sicher umgehen, den Alltag anpassen.

Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Fragen Sie nach, ob Angehörige mitkommen können – bei mehreren Programmen ist das vorgesehen und sinnvoll, weil im Ernstfall oft nicht die betroffene Person handelt.

Früherkennung, Hausarztmodell, DMP: drei verschiedene Dinge

Diese drei Angebote werden oft in einen Topf geworfen, obwohl sie an unterschiedlichen Punkten ansetzen:

  • Die Gesundheitsuntersuchung richtet sich an Menschen ohne bekannte Erkrankung und sucht nach Auffälligkeiten, die noch keine Beschwerden machen.
  • Das Hausarztmodell regelt den Weg ins Versorgungssystem: zuerst in die Hausarztpraxis, zu Fachärztinnen und Fachärzten nur auf Überweisung.
  • Das DMP setzt nach einer gesicherten Diagnose an und strukturiert die laufende Behandlung einer einzelnen chronischen Erkrankung.

Alle drei sind freiwillig und lassen sich kombinieren. Wer an zwei chronischen Erkrankungen leidet, für die es Programme gibt, kann grundsätzlich auch in zwei DMP eingeschrieben sein – wie das praktisch zusammengelegt wird, klärt die Praxis.

Was ein DMP nicht ist

  • Kein Zusatzversicherungsschutz. Es entstehen keine neuen Leistungsansprüche außerhalb des Programms.
  • Keine Zweitmeinung. Sie werden weiter von Ihrer Praxis behandelt, nur nach einem festgelegten Ablauf.
  • Kein Ersatz für Akuttermine. Wenn sich etwas verschlechtert, warten Sie nicht bis zum nächsten Programmtermin.
  • Keine Zusage auf einen bestimmten Verlauf. Wie sich eine chronische Erkrankung entwickelt, hängt von vielem ab. Was ein DMP leistet, ist Regelmäßigkeit und Nachvollziehbarkeit – nicht mehr, aber auch nicht wenig.

Aussteigen, wechseln, wiederkommen

Ausstieg: Sie widerrufen die Teilnahmeerklärung gegenüber Ihrer Krankenkasse, jederzeit und ohne Begründung. Die Praxis hilft beim Formular. Ihre Behandlung läuft normal weiter.

Automatisches Ende: Bleiben über mehrere Zeiträume hinweg Dokumentationen aus oder werden vereinbarte Schulungen wiederholt ohne Grund nicht wahrgenommen, endet die Teilnahme. Die genauen Kriterien stehen in Ihrer Teilnahmeerklärung.

Praxiswechsel: Die Teilnahme kann in der Regel mitgenommen werden, wenn die neue Praxis am selben Programm teilnimmt. Klären Sie das vor dem Wechsel, nicht danach.

Kassenwechsel: Fragen Sie bei der neuen Kasse ausdrücklich nach, ob eine erneute Einschreibung nötig ist. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Teilnahme automatisch mitwandert.

Wiedereinschreibung ist nach einem Ausstieg in der Regel möglich.

Wenn es akut wird

Programmtermine sind Routinetermine. Eine akute Verschlechterung gehört nicht in den nächsten Quartalstermin, sondern zeitnah in die Praxis.

  • 116 117 – ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechzeiten, am Wochenende und an Feiertagen.
  • 112 – bei Verdacht auf einen Notfall: Brustschmerz, Atemnot, die sich nicht bessert, plötzliche Lähmung oder Sprachstörung, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall.

Wer an einem DMP teilnimmt, kennt seine Erkrankung meist gut – und wartet deshalb manchmal zu lange. Im Zweifel gilt auch hier: lieber einmal zu früh die 112.


Dieser Beitrag erklärt Struktur und Ablauf strukturierter Behandlungsprogramme allgemein, Stand 2026. Er ersetzt keine ärztliche Beratung; ob ein Programm für Sie infrage kommt und was Ihr Vertrag im Einzelnen vorsieht, klären Ihre Praxis und Ihre Krankenkasse.

HÄUFIGE FRAGEN
Was bringt mir die Teilnahme an einem DMP?
Ein DMP legt fest, welche Kontrollen in welchen Abständen stattfinden und was dabei erhoben wird. Der praktische Gewinn liegt darin, dass Termine, Laborwerte und Untersuchungen nicht mehr davon abhängen, ob Sie oder die Praxis gerade daran denken. Dazu kommen strukturierte Schulungen und vereinbarte Behandlungsziele, die beim nächsten Termin überprüft werden.
Kostet die Teilnahme an einem DMP etwas?
Nein. Für gesetzlich Versicherte ist die Teilnahme kostenfrei; die Vergütung regeln Krankenkassen und Praxen untereinander. Zuzahlungen für Medikamente, Heilmittel oder Krankenhausaufenthalte ändern sich durch die Einschreibung nicht. Ob Ihre Kasse zusätzlich einen Bonus gewährt, ist von Kasse zu Kasse verschieden – fragen Sie dort nach.
Kann ich aus einem DMP wieder aussteigen?
Ja, jederzeit und ohne Begründung. Sie widerrufen die Teilnahmeerklärung gegenüber Ihrer Krankenkasse; die Praxis hilft beim Formular. Ein Nachteil für Ihre Behandlung darf daraus nicht entstehen – Sie werden weiter versorgt, nur eben ohne den festen Programmrahmen. Eine spätere Wiedereinschreibung ist in der Regel möglich.
Welche Daten werden im DMP an die Krankenkasse übermittelt?
Bei jedem Programmtermin füllt die Praxis eine standardisierte Dokumentation aus, etwa mit Befunden, Messwerten, Medikation und vereinbarten Zielen. Diese Daten gehen an eine Datenstelle und an Ihre Krankenkasse. Deshalb unterschreiben Sie bei der Einschreibung neben der Teilnahme auch eine gesonderte Einwilligung in die Datenübermittlung. Lesen Sie diesen Teil, bevor Sie unterschreiben.
Was passiert, wenn ich einen DMP-Termin verpasse?
Ein einzelner verpasster Termin beendet die Teilnahme nicht. Bleiben die Dokumentationen über mehrere Zeiträume hinweg aus oder werden vereinbarte Schulungen wiederholt ohne Grund nicht wahrgenommen, kann die Teilnahme automatisch enden. Die genauen Kriterien stehen in Ihrer Teilnahmeerklärung und unterscheiden sich je nach Programm und Vertrag.
Ist ein DMP dasselbe wie das Hausarztmodell?
Nein. Das Hausarztmodell (Hausarztzentrierte Versorgung) regelt, über welchen Weg Sie ins Versorgungssystem eintreten – zuerst in die Hausarztpraxis. Ein DMP regelt die Behandlung einer bestimmten chronischen Erkrankung. Beides ist freiwillig, beides lässt sich kombinieren, und keines setzt das andere voraus.